Da ich im Moment noch in meiner sozialen Arbeit beschäftigt bin habe ich dadurch immer einen guten Tagesplan. Es ist schön mal wieder so etwas wie Ordnung in seinem Leben zu haben und Sport zu machen.
Ich glaube ich habe euch noch nichts über meine soziale Arbeit erzählt,richtig?
Diese soziale Arbeit ist ein eineinhalb Monate andauerndes Praktikum welches wir von YFU aufgetragen bekommen. Meine ersten 2 Wochen habe ich in einem sogenannten "comedor" (einer "Essensstädte" für Kinder) absolviert. Die Kinder die dort hinkommen um zu essen sind zwischen 3 und 13 Jahren, welche Zuhause kein Essen bekommen, entweder weil das Geld fehlt oder weil die Eltern ihre Kinder vernachlässigen. Diese Kinder kommen jeden Tag in den "comedor" um zu essen,zu beten, zu lachen und vielleicht auch um für einen Moment aus ihrer eigenen Realität zu entfliehen. Da es nur darum geht den Kindern etwas zu essen zu geben habe ich hauptsächlich in der Küche geholfen,beim abwaschen,kochen, Ameisen töten oder servieren. Dort habe ich zum ersten Mal wirklich erlebt wie dankbar Kinder sein können. Vielleicht hört es sich lächerlich an wenn ich sage dass auch das eine sehr wichtige Erfahrung war aber genauso ist es. Bevor ich gegangen bin musste ich den Kindern Lieder vorsingen,die man in meinem Land den Kindern vorsingt. Joa,da stand ich dann vor 50 Kindern und 4 Älteren Frauen und -Pauli glorreich wie immer- mir fällt nichts ein. Kein einziges dämliches Kinderlied ist mir eingefallen. Naja,das konnte ich natürlcih so nicht auf mir sitzen lassen also habe ich angefangen ganz scharf nachzudenken. Mmm. Ein weißes Farbklecksuniversum in meinem Kopf, manchmal mischen sich auch noch grüne Punkte dazu. Verzweifelt versuche ich den Befehl an mein Gehirn zu senden,welches noch völlig im Tiefschlaf liegt. Gut,mein Gehirn kramt "Meine Tante aus Marokko wenn sie kommt" heraus, darauf folgt "Die Affenbande rasselt durch den Wald", dann kommt "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" und selbstverständlich "Pippi Langstrumpf" und selbst die "Vogelhochzeit"hatte es noch auf Lager. Also fange ich der Reihe nach an und obwohl mit falschem Text(was ja sowieso keiner bemerkt hat) wird jedes Mal applaudiert, eher aus Höflichkeit glaube ich:D
Naja,so habe ich mich dann von den Kindern des "comedor's" verabschiedet. Die nächsten zwei Wochen habe ich in einem Kinderheim verbracht,in welchem Kinder von 1- 14 Jahren untergebracht sind. Unter anderem befinden sich dort sexuell sowie psychisch missbrauchte Kinder,wodurch mir diese Arbeitr sehr nahe gegangen ist. Zunächst hatte ich Angst da ich weder eine derartige Ausbildung habe, noch weiß ich wie man mit bestimmten Situationen untergeht..
Ich habe Matheunterricht gegeben(natürlich auf einem sehr niedrigen Niveau) und habe mich erschrocken dass es einige Mädchen gab,welche mit 12 Jahren noch nicht sagen konnten was 6+6 ergibt. Im nächsten Moment war mir dieser Gedanke peinlich denn ich sollte froh darüber sein eine so wundervolle Kindheit gehabt zu haben, darüber dass ich die Möglichkeit hatte in Ruhe zu lernen und in die Schule zu gehen und es immer noch tue denn es gibt unglaublich viele Kinder auf dieser Welt, für welche dies nicht normal ist. Kinder,die ohne ihre Eltern leben, die nicht zur Schule gehen können weil das Geld nicht da ist, die geschlagen oder anderweitig geschädigt werden, die keine Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke bekommen,Kinder,denen die Hoffnung und Neugierde und vorallem ihre Kindheit gestohlen wird. Viele dieser Kinder sehe ich hier. Wenn sie erzählen sind es Traumgeschichten oder Wünsche, wenn sie lachen sehe ich dass sie glücklich sind aber wenn sie weinen sieht man umso mehr wie sehr sie leiden. Wir alle sollten uns das immer wieder klar machen. Ich schreibe euch nur das was ich sehe und ich schreibe es nur weil ich euch und mich daran erinnern möchte wie gut wir es haben.
Es ist schon spät, der Rest kommt bald, versprochen.
Besos,Pauli
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