Am 4.März habe ich meine Koffer gepackt und bin -glücklich ein paar Tage der Hitze,dem Lärm,Alltag und Dreck aus Machala zu entkommen- nach Salinas gefahren. Salinas ist ein Städtchen an der Pazifikküste Ecuadors,welches etwa 145km westlich von Guayaquil liegt. Mit seinen 50 tausend Einwohnern ist es zwar relativ klein, zählt jedoch trotzdem zu den touristischsten Orten Ecuadors. Die Hinreise war erwies sich zunächst als ziemlich kompliziert da es keine Direktbusse nach Salinas gab und wir deshalb über Guayaquil fahren mussten. Das Problem ist nur, dass genau in dieser Zeit hier in Ecuador riesig Karneval gefeiert wird, und zwar in Salinas. Alle, die es irgendwie hinbekommen versuchen also in genau dieser Karnevalszeit irgendwie Salinas zu erreichen; wir durften uns zu diesen Personen zählen,was ich spätestens, eingequetscht zwischen 6 Leuten in einem Taxi bereute. Angekommen in Salinas,endlich. Nachdem unsere Sachen ausgepackt waren ging es sofort ab an den Strand,ins Meer. Die Strandpromenade ist wirklich hübsch und das Wasser war beinahe türkis. Ganz plötzlich fühlte ich mich genau so wie immer wenn man nach langer Zeit einfach mal wieder frei atmen kann und wenn die Luft nach Urlaub schemckt. Es ist ein wunderschöner, warmer Sommernachmittag und es ist angenehm warm.
Mit meiner rechten Hand greife ich auf den Boden. Warmer trockener Sand rieselt zwischen meinen Fingern hindurch,wenn ich genau hinhöre, kann ich da Rieseln des Sandes hören. Möwen kreischen und fliegen über uns. Wir können mit geschlossenen Augen sehen, wie der Schatten über uns huscht. Es riecht nach Meer. Kleine Wellen rauschen heran und brechen vor dem Strand. Der Wellengang ist nicht wirklich stark aber es reicht um ein paar Surfer ins Wasser zu locken,weiter hinten wanken die Schifferbötchen im Wasser. Eine Möwe kommt herbei und setzt sich vor uns auf den Boden. Sie neigt den Kopf ein wenig, sieht uns an. Dann fliegt sie weg. Mit lautem Flügelschlag hebt sie ab und wirbelt ein wenig Sand auf. Dann ist es wieder still. Nur das Meer rauscht leise.
Ich gehe ans Wasser. Langsam laufe ihr barfuß über den warmen trockenen Sandstrand und die Sonne verbrennt mir den Rücken. Die Sonne ist hier so stark dass man nur ganz kurze Zeit ohne Sonnenschutz bleiben kann, andernfalls bekommt man es sofort zu spüren.
Die ersten Tage verbringen wir so,am Strand,im Meer und sehr,sehr entspannt. WIr fahren mit Freunden herum,gehen einkaufen,tanzen und haben unglaublich viel Spaß und Sonne.Wir besuchen verschiedene Strände, finden eine gestrandete Riesenschildkröte,Seesterne,Muscheln,ein paar gut aussehende Typen und lernen was es heißt Karneval zu feiern. Gelernt habe ich das dann als ich nach Hause ging und mir eine Wasserbombe an den Rücken klatschte. Ein paar Typen standen an der Ecke,in der Hand einen Eimer gefüllt mit Wasserbomben und die wurden auf alles geschmissen, was sich bewegte. Meine Familie erklärte mir dann, dass das ja der Karneval sei. “Du musst halt etwas aufpassen in den Straßen und am besten ziehst du dir nur den Schlafanzug an wenn du das Haus verlässt", meinten sie. Und dann, an den offiziellen Karnevalstagen, die bei uns auch gefeiert werden, steigert sich das ganze noch, in dem sich die Karnvelsjecken gegenseitig mit Mehl oder Farben oder Schaum aus der Sprühdose einschmieren,genau das war eben in Salinas besonders ausgeprägt. Diese Schlachten dauern den ganzen Tag über, egal ob am warmen Strand oder im kühlen Bergland. Dass ich als Ausländerin mit meinen blonden Haaren besonders auffalle hat meine Situation natürlich nicht wirklich verbessert. Ylva und ich waren die Karnevalsopfer des Jahres 2011,Ecuador.:D
Es war zwar wirklich lustig aber nach ein paar Tagen hatte ich das ganze echt satt und war sehr froh als sich Salinas mit der Zeit etwas leerte und alles wieder in den Alltag verfiel. Die letzten Tage verbrachten wir sehr ruhig am Strand. Nur einen Tag fuhren wir aus Salinas raus nach Montanita, eine Küstenstadt die etwa eineinhalb Stunden entfernt ist von Salinas und ein ziemliches "Hippienest" ist. Es war ein sehr schöner Tag und eine sehr lange Nacht und ich habe in der gesamten Zeit die ich hier in Ecuador bin noch nie soo viele Ausländer an einem Flecken gesehen. Am Morgen wurden wir durch Schreie und Schritte im Hotel aufgeweckt. "TSUNAMI!TSUNAMI!",schrien alle in völliger Panik. Jeder der einen Wagen hatte, packte seine Sachen und floh so schnell es irgend ging Richtung Berge, für den REst waren die Busse an diesem Morgen umsonst. Schon nach einer halben Stunde war aus einem sehr belebten und verrückten Dorf eine Geisterstadt geworden und auch wir hatten uns schon längst -noch halb im Schlafanzug- auf den Weg gemacht. Wir mussten so schnell wie möglich zurück nach Salinas und von daaus dann sofort in die Berge um dem angesagtem Tsunami zu entkommen. Alles glich dem Zustand nach einem großem Unglück,oder zumindest so wie ich mir diesen Zustand immer vorgestellt hatte. Die Menschen hatten ihre Häuser zurückgelassen, es waren Zelte errichtet worden, in welchen Decken zur Verfügung gestellt wurden, sogar Kaffee. Reich und arm,auf einmal mit den gleichen Ängsten ,auf den gleichen unbefestigten Landstraßen,irgendwo in den Bergen. Im Endeffekt ist ja nichts passiert aber dennoch war es wirklich aufregend und beängstigend.
Drei Tage später war dann auch schon mein 16.Geburtstag in Machala. Für den 15.hatte meine Familie eine kleine Feier für mich vorbereitet, mit allem Drum und Dran: Ecuadorianische Kekse,Kuchen,Arroz con pollo, Musik und Luftschlangen. Zur Krönung wurde mein Kopf in eine gefrorene Sahnetorte gedrückt,komplett unvorbereitet. Feliz Cumple Pauli! Es war echt schön und wirklich nett von meiner Familie. Mein Geburtstag,der 16, fing erstmal alles andere als grandios an aber ich war trotzdem nicht wirklich traurig. Meine Familie hielt es nicht für nötig mir "Guten Morgen", geschweige denn "Alles Gute zum Geburtstag" zu sagen. Es war noch nicht einmal jemand Zuhause, abgesehen von meinem Bruder, welcher um 11 Uhr aufstand und noch nicht einmal wusste dass ich Geburtstag hatte. Ich versuchte irgendwie mit meinen Lieben in Deutschland zu sprechen, was jedoch unmöglich war, da mein Skype streikte und auch im Internetcafé so gut wie keine Verbindung vorhanden war. Es war trotzdem super süß von euch allen, auch wenn ich euch nur kurz gesehen habe:-(, tausend Dank! Ich habe mich riesig gefreut und es hat meinen ziemlich ungünstigen Geburtstagsmorgen echt verbessert. Danach wurde dann alles super gut: Ich bin mit meinen Freunden an den Strand gefahren,habe mein Geburtstagspaket ausgepackt, mich nochmal unglaublich gefreut:-) (Danke!) und danach sind alle zu mir nach Hause gekommen -verbotenerweise- und haben bei mir geschlafen. Ich hatte einen wunderschönen Tag, dank euch allen und meinen lieben Freunden hier und es war wirklich ein perfekter "Sweet 16". Danke an Alle. Hier kommen einige wenige Fotos da ich wieder eine Kamera besitze,Juhuuu!:-)
Bald kommen noch mehr Fotos von Karneval&CO. ;)







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