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Sonntag, 21. August 2011

Home,sweet home...

So,ich bin zurück. 
Ja,das bin ich wohl schon etwas länger aber jetzt bin ich komplett zurück, wieder "eingegliedert". Ob das gut ist oder schlecht, das weiß ich nicht. Ich tendiere zu schlecht. 
Alles dreht sich wieder, alles rund, alles deutsch, alles Ordnung, alles gewohnt und normal. Es ist der Kontrast zu einem einzigartigem Jahr in der Ferne, einem wunderbaren Jahr in Ecuador. 

Und jetzt, wo ich meine eigene deutsche Welt mit unabhängigen Augen wiederentdecke, alte Formen wieder annehme, bewahre ich mir den Menschen, der ich in einem Jahr geworden bin. Ich bewahre mir die Freude über das Leben in seiner einfachsten Form, die erfahrene Großzügigkeit und Wärme, die Umarmungen, sich zu engagieren, und in all den Abschieden zu spüren, wie wichtig man den Menschen geworden ist, wie tief die Spuren sind, die man hinterlässt... Diese Dinge machen ein Austauschjahr so einzigartig und prägen fürs ganze Leben.
Doch in der Sehnsucht nach der neu gewonnenen fernen Heimat, nach meiner Familie, meinen Freunden, meinem ecuadorianischem Leben laufen mir Tränen über die Wangen, die bedeuten, dass diese elf Monate in Ecuador mehr waren, als nur ein Austauschjahr – es ist der Übergang zwischen einer auslaufenden Kindheit und dem, was danach kommen soll, es ist ein Schritt in die große Welt. Ich denke viel nach,über Ecuador,über Deutschland,darüber WER ich bin. Ecuador,Deutschland, Deutschland, Ecuador. Ich versuche mich an die Zeit vor Ecuador zu erinnern, an meine Gefühle beim Abschied. Ich habe sogar in meinem Tagebuch geblättert, nach irgendetwas gesucht. Ich habe nichts konkretes gefunden. Zu dem Zeitpunkt war Alles noch zu weit weg, Alles war mehr eine Illusion, ein Traum,zu dem es nun wieder wird,wie mir scheint. 
Aber was ist das nun für ein Gefühl, für elf Monate einen Koffer zu packen? Für ein Austauschjahr als Schülerin in einer Familie, die man vorher nicht kennt, in einem Land, dessen Sprache man nicht spricht. 
Es ist ein abenteuerliches Gefühl. Aufregend und auch beängstigend. Vor allem ist es das Gefühl von Freiheit, das viele Jugendliche suchen, aber nur wenige finden.

 Natürlich war es irgendwie schrecklich und gleichzeitig schön zurückzukehren. Dadurch waren die ersten Tage sehr absurd und ich habe den Großteil der Zeit damit verbracht, Menschen bei ihren "deutschen" Gewohnheiten zu beobachten. Im Kino stand ich dann vor dem Programmplan und -Huch!- sooo viele -eigentlich viel zu viele- Filme zur Auswahl. Da kann man sich doch gar nicht entscheiden,in Ecuador wird es einem da schon einfacher gemacht mit starken 4 Filmen im Monat! Auch im Supermarkt gibt es plötzlich wieder Äpfel aus Frankreich, die aus Argentinien, daneben eine Bandbreite verschiedenster Brotaufstriche, Schokolade, Chips, Käse, Nudeln (Alles Sachen,auf welche ich ein Jahr lang verzichtet habe) -und es ist so viel billiger als in Ecuador. Unser Kühlschrank ist voll, was ein ecuadorianischer Ausnahmezustand wäre. Mein erster Eindruck von der Stadt: Wow, ist das hier ruhig,kein Lärm,kein Geschrei,kein Tanz auf der Straße. Wenige lächelnde Menschen, leider. Zu viele, zu aufgestylte Mädchen mit "Starbucks-bechern" in der Hand.  Ich muss sagen, es war deutlich schwieriger sich in Münster einzuleben als es vor einem Jahr in Machala war. 

Manchmal muss ich immer noch mit mir ringen, manchmal macht es mich traurig hier zu sein,manchmal glücklich,manchmal habe ich Angst dass Ecuador und alles was zu Ecuador dazugehört,was ich durch dieses Jahr und dieses Land gelernt habe, dass all das im deutschen Alltag untergeht. Es sind die Menschen dort,die ich vermisse, die Lebensfreude, dieses simple und gleichzeitig ganz erfüllte Leben. Wenn mich jemand fragt "wie mein Jahr war", dann sage ich gut auch wenn es nicht nur gut war. Ich habe unglaublich viel gelernt in diesem Jahr und lernen tut man durch Fehler,durch schwere Zeiten,durch Verbote,durch Streite genauso wie durch wunderbare,prägende Menschen und bezaubernde,unvergessliche Momente.Ich bin nach Ecuador gefahren ,um meine Grenzen kennen zu lernen. Ich habe sie nicht gefunden. Was ich gefunden habe ist die Gewissheit,dass man sich an alles wirklich gewöhnen kann und zu weit mehr in der Lage ist, als man selbst denkt. Mein Austauschjahr begann und endete auf dem Flughafen,nur mit dem Unterschied,dass ich bei der Hinreise in die Ungewissheit flog und ich auf der Rückreise mein Herz und meinen Kopf voller wunderschöner Erinnerungen, Erlebnisse und Erfahrungen hatte,die ich im Laufe dieses einmaligen Jahres gesammelt habe. Ecuador inspiriert mich immer noch und ich denke jeden Tag an meine Zeit dort. Alles was ich tue, tue ich mit einem Gedanken an Ecuador im Kopf und ich muss lächeln wenn ich im Supermarkt Bananen aus ecuadorianischer Herkunft sehe. Es tut gut ab und zu einen Spanier zu treffen oder meine "Ecuador-Musik" zu hören. Dann erinnere ich mich an alle Partys auf denen wir zu genau dieser Musik getanzt haben und ich spüre den "Espiritu latino" in mir, dann träume ich von Ecuador. Ich bin glücklich weil ich diese großartige Zeit hatte und mich jeden Tag an sie erinnern kann und genauso bin ich traurig weil ich weiß dass diese Zeit nun Vergangenheit ist. ich beneide Alle Austauschschüler,die diese unglaubliche Zeit noch vor sich haben. Wenn ich könnte, säße ich noch Heute im Flieger, in die weite, weite Welt. Es gibt noch viel zu entdecken,viel zu sehen,viel zu erleben und es ist großartig zu wissen dass Überall etwas Neues auf mich wartet. Ich freue mich schon darauf, wenn es bald wieder heißt "Auf Wiedersehen, Deutschland!" und ich endlich meine ecuadorianische Familie und meine Freunde in den Arm nehmen kann! Ich vermisse Ecuador. Oh ja, ich vermisse es sehr. Ein Teil von mir ist in Ecuador geblieben und ich erinnere mich sehr gerne an diese Zeit. Es war die beste Zeit meines Lebens und ich bin unglaublich froh den Entschluss gefasst zu haben,ein Jahr im Ausland zu verbringen. Durch die Herzlichkeit  und Lebensfreude der Ecuadorianer werde ich wohl immer zurückkehren müssen, um den Teil meines Herzens zu besuchen, der dort einfach nicht weg will. Es ist schon komisch, das mit Ecuador, denn dieses Land und seine Leute haben mich verzaubert, so kommt es dass ich früher Fernweh hatte, wenn ich an Ecuador gedacht habe. Heute habe ich Heimweh.

           Ein letztes Mal: 
           eure Pauline





-Mein  Dank gilt All denen,die mich in diesem Jahr begleitet haben, besonders meiner Familie. Ihr habt mir meinen Traum ermöglicht!-

Donnerstag, 2. Juni 2011

..und die Zeit rennt davon.

Ja,ihr dürft sauer sein. Wow, ich habe mich wirklich laaange nicht gemeldet,die Zeit vergeht wie im Flug und da es die letzten Wochen sind die mir hier bleiben werden sie natürlich  nochmal so richtig ausgenutzt. Es ist wirklich komisch darüber nach zu denken,darüber das dies meine letzten drei Wochen sind, denn es bedeutet soviel mehr als nach Hause zu fahren,als sich unter Tränen am Flughafen zu verabschieden, als ein Land zurückzulassen welches man in diesem Jahr zu lieben gelernt hat... Ich weiß das ein Teil von mir hier in Ecuador bleiben wird wenn ich zurückgehe und dass der andere Teil sich unglaublich freuen wird nach Hause zu kommen. Es ist nicht das "Ankommen" nach einer langen Reise,mehr die "Rückkehr" von einem großen Abenteuer. Ich weiß nicht was passieren wird und ich will es auch gar nicht wissen aber ich freue mich auf alles,auf euch,auf mein Zimmer,auf leckeres Essen(besonders Vollkornbrot), großartige Sommerferien, deutsch sprechen, sogar auf Schule:-)

Wahrscheinlich fragt ihr euch warum ich so lange so viel Mist schreibe wobei euch doch eigentlich nur mein Galápagos -Bericht interessiert. Naja,ich muss euch enttäuschen: Die Reise war so schön dass ich es bevorzuge sie euch in einem Monat selbst zu erzählen(bei Kaffee und Kuchen,höhö.) Ich hoffe ihr könnt noch so lange warten und seid mir nicht böse,wir sehen uns ganz bald...ich sage also nur:
Hasta muy pronto amigos:-)

eure Pauli

Sonntag, 24. April 2011

Hier kommt mal wieder ein Post für euch. Eigentlich wollte ich gerade den Computer ausschalten,das Licht ausknipsen und Grey's Anatomy gucken obwohl ich Grey's Anatomy nicht ausstehen kann. Naja,es ist eben wirklich ein Verhängnis einen eigenen Fernseher in seinem Zimmer zu haben,wie ich es zurzeit habe..

Eigentlich gibt es gar nichts zu sagen..ich sage trotzdem was:-)
Zuerst einmal will ich betonen dass ich in 7 TAGEN im Flugzeug Richtung Galápagos sitzen werde,hoffentlich!  Ich rede die ganze Zeit nur noch davon...-aber ihr dürft euch auch freuen denn für euch bedeutet das einige wunderschöne Fotos,wahrscheinlich,..wenn mir meine Kamera nicht noch einmal geklaut werden sollte;)

Hier ist gerade alles ziemlich normal. Heute wurde Ostern gefeiert,was hier daraus besteht sich mit der Familie zusammen zu setzen,zu kochen und schließlich die "fanesca"zu essen, eine Suppe nur aus Bohnen&Erbsen und welche -je nach Bedarf- mit salzigem Fisch gegessen wird. Danach wird die "torta de maduros"gegessen, ein "Kuchen"(mehr eine Matsche) aus Maduros(eine Art Banane). Da man kein Fleisch essen darf an Ostern war dies einer der ersten Tage an denen ich ein ecuadorianisches Essen ohne Fleisch gesehen habe.

Alles klar,mehr gibt es gerade auch gar nicht zu erzählen deswegen bleibt es bei diesen paar Zeilen,
tausend Küsse und Grüße,Pauli

Donnerstag, 7. April 2011

Schulbeginn und Ambato

Hallihallo! 

Ich schreibe euch direkt heraus aus meinem Alltag der plötzlich wieder eingetreten ist. Ja,so schnell sind sei vorbei, meine -zunächst endlos erscheinenden- 3 Monate Ferien! Obwohl ich nicht wirklich weiß was ich die ganze Zeit getrieben habe, habe ich anscheinend aber doch irgendetwas getrieben, denn die Zeit ist wie im Flug vergangen. 
Am Montag war dann tatsächlich mein erster Schultag und ich habe ihn -wenn auch etwas deprimiert- über mich ergehen lassen und überlebt. Meine Gedanken waren ganz leicht zusammen zu fassen: Oh NEIN,Schluss mit schlafen bis 12 Uhr, schreckliche Schuluniform, Zeitverschwendung da ich sowieso nichts lerne! Es sollte sich herausstellen dass es ganz so schlimm doch nicht war,nur beinahe. Die Schuluniform ist nach wie vor eine der meist verhassten Sachen die ich in Verbindung mit Schule bringe;sie ist nicht nur hässlich sondern noch dazu ungemütlich und zu warm. Ich bin wirklich froh mit der Perspektive nach Deutschland zurück zu kehren, keine Uniform tragen zu müssen. Ansonsten verbringe ich einen Großteil meiner Zeit schlafend,lesend,redend..ja,ich mache so ziemlich alles außer etwas zu lernen, da das schier unmöglich ist. Ich muss zu meiner Verteidigung sagen dass ich nicht die einzige bin die nichts lernt, mein gesamter kurs scheint nicht wirklich daran interessiert zu sein etwas aus ihrer Schulzeit mitzunehmen. Abgesehen davon muss ich jedoch zugeben dass es eigentlich ganz schön ist mal wieder eine Art Stundenplan in seinem Leben zu haben und natürlich freut man sich auch darüber einige Leute wiederzusehen.

Die letzte Woche war ich nochmals auf einer kleinen Reise nach Ambato,gelegen in einer Anden-Hochebene auf etwa 2.500m. Die Stadt liegt etwa 140km südlich von Quito und in der Nähe des chimborazo(des höchsten Berges Ecuadors). Ambato lebt von seinen Frucht-,Obst- und Gemüseplantagen.  Ich habe ein paar wunderschöne Tage dort verbracht, im kalten,von Vulkanen umgebenen, wunderschönen Ambato. (Fotos kommen bald,da es gerade mysteriöser weise nicht funktioniert).

Liebe Grüße,Pauli


Sonntag, 20. März 2011

Strandurlaub,Tsunami und mein 16.Geburtstag

So schnell vergeht die Zeit und irgendwie bin ich tatsächlich nicht dazu gekommen zu schreiben. Da wirklich viel passiert ist fange ich einfach mal der Reihe nach an zu erzählen. 
Am 4.März habe ich meine Koffer gepackt und bin -glücklich ein paar Tage der Hitze,dem Lärm,Alltag und Dreck aus Machala zu entkommen- nach Salinas gefahren. Salinas ist ein Städtchen an der Pazifikküste Ecuadors,welches etwa 145km westlich von Guayaquil liegt. Mit seinen 50 tausend Einwohnern ist es zwar relativ klein, zählt jedoch trotzdem zu den touristischsten Orten Ecuadors. Die Hinreise war erwies sich zunächst als ziemlich kompliziert da es keine Direktbusse nach Salinas gab und wir deshalb über Guayaquil fahren mussten. Das Problem ist nur, dass genau in dieser Zeit hier in Ecuador riesig Karneval gefeiert wird, und zwar in Salinas. Alle, die es irgendwie hinbekommen versuchen also in genau dieser Karnevalszeit irgendwie Salinas zu erreichen; wir durften uns zu diesen Personen zählen,was ich spätestens, eingequetscht zwischen 6 Leuten in einem Taxi bereute. Angekommen in Salinas,endlich. Nachdem unsere Sachen ausgepackt waren ging es sofort ab an den Strand,ins Meer. Die Strandpromenade ist wirklich hübsch und das Wasser war beinahe türkis. Ganz plötzlich fühlte ich mich genau so wie immer wenn man nach langer Zeit einfach mal wieder frei atmen kann und wenn die Luft nach Urlaub schemckt. Es ist ein wunderschöner, warmer Sommernachmittag und es ist angenehm warm.
Mit meiner rechten Hand greife ich auf den Boden. Warmer trockener Sand rieselt zwischen meinen Fingern hindurch,wenn ich genau hinhöre, kann ich da Rieseln des Sandes hören. Möwen kreischen und fliegen über uns. Wir können mit geschlossenen Augen sehen, wie der Schatten über uns huscht.  Es riecht nach Meer. Kleine Wellen rauschen heran und brechen vor dem Strand. Der Wellengang ist nicht wirklich stark aber es reicht um ein paar Surfer ins Wasser zu locken,weiter hinten wanken die Schifferbötchen im Wasser.  Eine Möwe kommt herbei und setzt sich vor uns auf den Boden. Sie neigt den Kopf ein wenig, sieht uns an. Dann fliegt sie weg.  Mit lautem Flügelschlag hebt sie ab und wirbelt ein wenig Sand auf. Dann ist es wieder still. Nur das Meer rauscht  leise.
Ich gehe ans Wasser. Langsam laufe ihr barfuß über den warmen trockenen Sandstrand und die Sonne verbrennt mir den Rücken. Die Sonne ist hier so stark dass man nur ganz kurze Zeit ohne Sonnenschutz bleiben kann, andernfalls bekommt man es sofort zu spüren. 
Die ersten Tage verbringen wir so,am Strand,im Meer und sehr,sehr entspannt. WIr fahren mit Freunden herum,gehen einkaufen,tanzen und haben unglaublich viel Spaß und Sonne.Wir besuchen verschiedene Strände, finden eine gestrandete Riesenschildkröte,Seesterne,Muscheln,ein paar gut aussehende Typen und lernen was es heißt Karneval zu feiern. Gelernt habe ich das dann als ich nach Hause ging und mir eine Wasserbombe an den Rücken klatschte. Ein paar Typen standen an der Ecke,in der Hand einen Eimer gefüllt mit Wasserbomben und die wurden auf alles geschmissen, was sich bewegte. Meine Familie erklärte mir dann, dass das ja der Karneval sei. “Du musst halt etwas aufpassen in den Straßen und am besten ziehst du dir nur den Schlafanzug an wenn du das Haus verlässt", meinten sie. Und dann, an den offiziellen Karnevalstagen, die bei uns auch gefeiert werden, steigert sich das ganze noch, in dem sich die Karnvelsjecken gegenseitig mit Mehl oder Farben oder Schaum aus der Sprühdose einschmieren,genau das war eben in Salinas besonders ausgeprägt. Diese Schlachten dauern den ganzen Tag über, egal ob am warmen Strand oder im kühlen Bergland. Dass ich als Ausländerin mit meinen blonden Haaren besonders auffalle hat meine Situation natürlich nicht wirklich verbessert. Ylva und ich waren die Karnevalsopfer des Jahres 2011,Ecuador.:D
Es war zwar wirklich lustig aber nach ein paar Tagen hatte ich das ganze echt satt und war sehr froh als sich Salinas mit der Zeit etwas leerte und alles wieder in den Alltag verfiel. Die letzten Tage verbrachten wir sehr ruhig am Strand. Nur einen Tag fuhren wir aus Salinas raus nach Montanita, eine Küstenstadt die etwa eineinhalb Stunden entfernt ist von Salinas und ein ziemliches "Hippienest" ist. Es war ein sehr schöner Tag und eine sehr lange Nacht und ich habe in der gesamten Zeit die ich hier in Ecuador bin noch nie soo viele Ausländer an einem Flecken gesehen. Am Morgen wurden wir durch Schreie und Schritte im Hotel aufgeweckt. "TSUNAMI!TSUNAMI!",schrien alle in völliger Panik. Jeder der einen Wagen hatte, packte seine Sachen und floh so schnell es irgend ging Richtung Berge, für den REst waren die Busse an diesem Morgen umsonst. Schon nach einer halben Stunde war aus einem sehr belebten und verrückten Dorf eine Geisterstadt geworden und auch wir hatten uns schon längst -noch halb im Schlafanzug- auf den Weg gemacht. Wir mussten so schnell wie möglich zurück nach Salinas und von daaus dann sofort in die Berge um dem angesagtem Tsunami zu entkommen. Alles glich dem Zustand nach einem großem Unglück,oder zumindest so wie ich mir diesen Zustand immer vorgestellt hatte. Die Menschen hatten ihre Häuser zurückgelassen, es waren Zelte errichtet worden, in welchen Decken zur Verfügung gestellt wurden, sogar Kaffee. Reich und arm,auf einmal mit den gleichen Ängsten ,auf den gleichen unbefestigten Landstraßen,irgendwo in den Bergen. Im Endeffekt ist ja nichts passiert aber dennoch war es wirklich aufregend und beängstigend. 
Drei Tage später war dann auch schon mein 16.Geburtstag in Machala.  Für den 15.hatte meine Familie eine kleine Feier für mich vorbereitet, mit allem Drum und Dran: Ecuadorianische Kekse,Kuchen,Arroz con pollo, Musik und Luftschlangen. Zur Krönung wurde mein Kopf in eine gefrorene Sahnetorte gedrückt,komplett unvorbereitet. Feliz Cumple Pauli! Es war echt schön und wirklich nett von meiner Familie. Mein Geburtstag,der 16, fing erstmal alles andere als grandios an aber ich war trotzdem nicht wirklich traurig. Meine Familie hielt es nicht für nötig mir "Guten Morgen", geschweige denn "Alles Gute zum Geburtstag" zu sagen. Es war noch nicht einmal jemand Zuhause, abgesehen von meinem Bruder, welcher um 11 Uhr aufstand und noch nicht einmal wusste dass ich Geburtstag hatte. Ich versuchte irgendwie mit meinen Lieben in Deutschland zu sprechen, was jedoch unmöglich war, da mein Skype streikte und auch im Internetcafé so gut wie keine Verbindung vorhanden war. Es war trotzdem super süß von euch allen, auch wenn ich euch nur kurz gesehen habe:-(, tausend Dank! Ich habe mich riesig gefreut und es hat meinen ziemlich ungünstigen Geburtstagsmorgen echt verbessert. Danach wurde dann alles super gut: Ich bin mit meinen Freunden an den Strand gefahren,habe mein Geburtstagspaket ausgepackt, mich nochmal unglaublich gefreut:-) (Danke!) und danach sind alle zu mir nach Hause gekommen -verbotenerweise- und haben bei mir geschlafen. Ich hatte einen wunderschönen Tag, dank euch allen und meinen lieben Freunden hier und es war wirklich ein perfekter "Sweet 16". Danke an Alle. Hier kommen einige wenige Fotos da ich wieder eine Kamera besitze,Juhuuu!:-)
Bald kommen noch mehr Fotos von Karneval&CO. ;)









Dienstag, 22. Februar 2011

Meine soziale Arbeit in Ecuador

Es ist Dienstag Abend, es ist schwül,heiß, ich blicke auf ein Foto des vorletzten Jahres, welches meine Schwestern und mich im Schnee abbildet. Ich wünschte es würde schneien..oder wenigstens regnen. Zum Glück habe ich mit Schwimmen angefangen,wodurch ich jeden Tag im Wasser bin. Schon komisch, ich dachte eigentlich ich würde nie wieder im Becken trainieren,schwimmen, und jetzt tue ich es ausgerechnet hier in Ecuador. Mein erstes Training war ein wortwörtlicher Untergang aber es wird jeden Tag besser und etwas schwimmen konnte ich ja auch schon vorher;)

Da ich im Moment noch in meiner sozialen Arbeit beschäftigt bin habe ich dadurch immer einen guten Tagesplan. Es ist schön mal wieder so etwas wie Ordnung in seinem Leben zu haben und Sport zu machen. 
Ich glaube ich habe euch noch nichts über meine soziale Arbeit erzählt,richtig?
Diese soziale Arbeit ist ein eineinhalb Monate andauerndes Praktikum welches wir von YFU aufgetragen bekommen. Meine ersten 2 Wochen habe ich in einem sogenannten "comedor" (einer "Essensstädte" für Kinder) absolviert. Die Kinder die dort hinkommen um zu essen sind zwischen 3 und 13 Jahren, welche Zuhause kein Essen bekommen, entweder weil das Geld fehlt oder weil die Eltern ihre Kinder vernachlässigen. Diese Kinder kommen jeden Tag in den "comedor" um zu essen,zu beten, zu lachen und vielleicht auch um für einen Moment aus ihrer eigenen Realität zu entfliehen. Da es nur darum geht den Kindern etwas zu essen zu geben habe ich hauptsächlich in der Küche geholfen,beim abwaschen,kochen, Ameisen töten oder servieren. Dort habe ich zum ersten Mal wirklich erlebt wie dankbar Kinder sein können. Vielleicht hört es sich lächerlich an wenn ich sage dass auch das eine sehr wichtige Erfahrung war aber genauso ist es. Bevor ich gegangen bin musste ich den Kindern Lieder vorsingen,die man in meinem Land den Kindern vorsingt. Joa,da stand ich dann vor 50 Kindern und 4 Älteren Frauen und -Pauli glorreich wie immer- mir fällt nichts ein. Kein einziges dämliches Kinderlied ist mir eingefallen. Naja,das konnte ich natürlcih so nicht auf mir sitzen lassen also habe ich angefangen ganz scharf nachzudenken. Mmm. Ein weißes Farbklecksuniversum in meinem Kopf, manchmal mischen sich auch noch grüne Punkte dazu. Verzweifelt versuche ich den Befehl an mein Gehirn zu senden,welches noch völlig im Tiefschlaf liegt. Gut,mein Gehirn kramt "Meine Tante aus Marokko wenn sie kommt" heraus, darauf folgt "Die Affenbande rasselt durch den Wald", dann kommt "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" und selbstverständlich "Pippi Langstrumpf" und selbst die "Vogelhochzeit"hatte es noch auf Lager. Also fange ich der Reihe nach an und obwohl mit falschem Text(was ja sowieso keiner bemerkt hat) wird jedes Mal applaudiert, eher aus Höflichkeit glaube ich:D
Naja,so habe ich mich dann von den Kindern des "comedor's" verabschiedet. Die nächsten zwei Wochen habe ich in einem Kinderheim verbracht,in welchem Kinder von 1- 14 Jahren untergebracht sind. Unter anderem befinden sich dort sexuell sowie psychisch missbrauchte Kinder,wodurch mir diese Arbeitr sehr nahe gegangen ist. Zunächst hatte ich Angst da ich weder eine derartige Ausbildung habe, noch weiß ich wie man mit bestimmten Situationen untergeht..
Ich habe Matheunterricht gegeben(natürlich auf einem sehr niedrigen Niveau) und habe mich erschrocken dass es einige Mädchen gab,welche mit 12 Jahren noch nicht sagen konnten was 6+6 ergibt. Im nächsten Moment war mir dieser Gedanke peinlich denn ich sollte froh darüber sein eine so wundervolle Kindheit gehabt zu haben, darüber dass ich die Möglichkeit hatte in Ruhe zu lernen und in die Schule zu gehen und es immer noch tue denn es gibt unglaublich viele Kinder auf dieser Welt, für welche dies nicht normal ist. Kinder,die ohne ihre Eltern leben, die nicht zur Schule gehen können weil das Geld nicht da ist, die geschlagen oder anderweitig geschädigt werden, die keine Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke bekommen,Kinder,denen die Hoffnung und Neugierde und vorallem ihre Kindheit gestohlen wird. Viele dieser Kinder sehe ich hier. Wenn sie erzählen sind es Traumgeschichten oder Wünsche, wenn sie lachen sehe ich dass sie glücklich sind aber wenn sie weinen sieht man umso mehr wie sehr sie leiden. Wir alle sollten uns das immer wieder klar machen. Ich schreibe euch nur das was ich sehe und ich schreibe es nur weil ich euch und mich daran erinnern möchte wie gut wir es haben. 

Es ist schon spät, der Rest kommt bald, versprochen.
Besos,Pauli

Mittwoch, 9. Februar 2011

Ein Ausflug in die Hauptstadt Ecuador's

Mittlerweile bin ich also schon ganze 5 Monate in diesem kleinsten Andenstaat, das die "Mitte der Welt" beherbergt. So ganz als meine Heimat kann ich es hier noch nicht bezeichnen, ich bin immer noch in der Eingewöhnungsphase, doch ich liebe mein Leben hier obwohl es gar nicht so leicht ist wie es euch manchaml erscheinen mag.
Die letzte Woche habe ich ein paar sehr schöne Tage mit meiner Familie in Quito -Ecuadors Hauptstadt- verbracht  Da kam ich mir -zwischen all den Deutschen Ausländern- schon ein wenig unecuadorianisch vor, es gibt sogar ein eigenes "DEutsches Barrio"(ein Dorf wo ausschließlich Deutsche leben). Man sieht so viele Touristen mit ihren fetten,teuren Kameras dass ich mich irgendwie unwohl gefühlt habe.  Zu viel blondes Haar und zu große Menschen,die einfach aus dem Bild herrausstechen.  "Guck mal da, eine Art Urzeitmensch. Davon müssen wir ein Foto machen, Agate!",der Mann mit den weißen Tennissocken in seinen Sandalen und der schmalen Sonnenbrille meinte wohl eine Indigena die gerade mit ihrem Baby auf dem Rücken die Straße überquerte. Indigenas leben im Grunde ausschließlich in der Sierra (nicht in der "Costa",wo ich lebe) und tragen noch ihre traditionelle Kleidung. Der Großteil der indigenen Bevölkerung ist sehr arm und viele Indigena-Kinder gehen nicht zur Schule. Es hat mich ziemlich aufgeregt zu sehen wie unrespektvoll viele Touristen gegenüber der ecuadorianuiscehn Kultur auftreten. Natürlich mache auch ich Fotos aber das ist für mich etwas anderes da ich auch wirklich versuche in dieser ganz anderen Welt zu LEBEN. Ich versuche zu verstehen wieso die Menschen Dinge tun und respektiere das Meiste davon. Irgendwei ist das ein Unterschied für mich,vielleicht vertue ich mich aber auch. 

In den nächsten Tagen sollten wir viel laufen,was auf einer Höhe von 2850m durchaus anstrengend werden kann, am Abend hatte die ganze Familie Kopfschmerzen. Dennoch lohnte sich unsere Führung durch die Altstadt Quitos,welche unter anderem zum Weltkulturerbe gehört, und ich war unglaublich froh mal wieder etwas Kultur um mich herum zu haben. Mein Gast-cousin ist ein ausgesprochen guter Führer gewesen und daher war ich nach den ersten Tagen so mit Wissen gefüllt dass ich Abends ins Bett viel und zum ersten Mal seit langem richtig schlief. Bald darauf fuhren wir in den "Parque Metropolitano";ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie sehr ich mich gefreut habe mal wieder Gras unter meinen Füßen zu spüren,Bäume zu sehen,Waldluft einzuatmen, Spaziergänge zu machen.... Das hat mir wirklich gefehlt , denn in Machala gibt es nicht einen einzigen Park. Als wir uns in den nächsten Tagen im Zentrum aufhielten sah ich zu meinem Vergnügen und zu meiner Freude Sachen wie: Birkenstock, Dr. Oetker, zwei verschiedene Mülleimer( in Machala gibt es keine Mülltrennung), H&M, und sogar einen MC'S,obwohl ich ,wie ihr ja alle wisst,kein Fan von Mc Donnalds bin. Quito ist eben etwas "europäischer" und es tat wirklich gut ein bisschen aus Machala rauszukommen. Wir waren sogar Schlittschuhlaufen..,in Ecuador.
 Ich habe das Großstadtgefühl genossen aber ich war auch froh als wir nach einer 12-stündigen Busfahrt endlich wieder in Machala angekommen sind. Die Busfahrt hin un zurück war ziemlich "aufregend", mit den viele Polizeikontrollen und die Busse hier haben auch keinen europäischen Standard und mein Magen hat mir einige Probleme gemacht.


Ich habe sehr viele Eindrücke verabreiten müssen in den letzten Monaten -gute und schlechte- und ich tue es immer noch. Ich habe viel mit mir kämpfen müssen,viel überlegen und abwiegen müssen und ich tue es immer noch. Zunächst erschien mir das Leben hier gar nicht sooo anders, ich war auf einen sehr großen Unterschied gefasst, der nicht kam -und trotzdem ist das Leben hier komplett anders,obwohl die große Überraschung,DER entscheidende "Oh-Mein-Gott-ist-das anders-Moment" ausblieb.. Die Kultur, die Umgebung, einfach überall sind Unterschiede. Ich kann euch nicht sagen wo genau sie liegen, genauso wenig kann ich euch sagen wie ich mich hier verändere. Ich habe das Gefühl langsam aufgenommen zu werden und das Leben einer Ecuadorianerin zu leben, wodurch ich jedoch noch lange keine Ecuadorianerin bin -das ist ein großer Unterschied. Und trotzdem merke ich auch immer wieder, dass wir alle, ob in Ecuador oder in Deutschland, auch "nur" Menschen sind,mit unseren eigenen,individuellen Träumen, Jugendliche, die eine Jugend wollen und doch alle verschiedene Möglichkeiten und Horizonte für ihr Leben, für ihre Träume haben.

Liebe Grüße aus Ecuador,Pauli


Sonntag, 30. Januar 2011

Irgendwie ist es immer heiß. Immer.

Ich habe gerade eigentlich gar keine Zeit aber eine Sache muss ich noch kurz posten:
Eine "Zewa-Rolle"(Küchenpapier) kostet hier 7$
..und ein Liter Apfelsaft 8$
Das nur damit ihr Morgen früh euren Apfelsaft genießt und dankbar mit eurer 30ct-Küchenrolle umgeht.

Gute Nacht.:)

Montag, 24. Januar 2011

Alles geht den Bach herunter, irgendwie...

Ja,das beschreibt meine derzeitige Situation wohl ganz gut denke ich.
Es ist nicht nur zu heiß (ich sterbe jede Nacht bei 34°C), nein, meine Mutter erlaubt mir nur noch bis 6 Uhr rauszugehen UND -der Höhepunkt meiner Tiefpunkte!- ich wurde am Freitag auf der Straße ausgeraubt: Kamera weg,Tasche weg,Adressbuch weg, ipod-Ladekabel weg(was bedeutet dass ich noch nicht mal mehr Musik hören kann für den Moment). Yuhuu.
Der Überfall am Freitag hat mich geschockt,sehr sogar. Nicht nur das meine Tasche und ihr gesamter Inhalt gestohlen wurde,das war es gar nicht sosehr, mehr, zu sehen mit welcher Gewalt die zwei Männer mir meine Sachen abgezogen haben. Dass es so etwas tatsächlich gibt, dass es in diesen Momenten keine Rücksicht gibt, dass keine Gegenwehr möglich ist, dass man hilflos zusehen muss, dass man sieht wie schlecht Menschen sein können. Natürlich,jedem wird mal etwas geklaut und ich bin die Letzte die behaupten darf dass ich meine Sachen normalerweise zusammenhalte, aber dieses Mal war es etwas anderes.
Ich wurde auf der Straße ausgeraubt,war gerade mit Ylva auf dem Weg zu der Geburtstagsfeier einer Freundin die 18 geworden ist, schnell haben wir vor ihrem Haus noch die Kerzen auf dem Kuchen angezündet, nach dem Motto "Überraschung! Alles Gute zum Geburtstag"..stattdessen ist der Kuchen dann 20 Sekunden später auf den Boden geklatscht,die Schokoladenseite nach unten,die Kerzen umgeknickt auf der Straße und 10 Sekunden später bogen die Diebe mit ihrem Motorrad und meiner Tasche unterm Arm um die Ecke,verdeckt in einer Staubwolke und ich dachte nur "Happy Birthday! Überraschung."

Wenn sich das nicht großartig anhört. Wenn man von diesen ungünstigen Umständen absieht geht es mir aber gut, soweit es einem eben gut gehen kann. Ich weiß gerade gar nicht was los ist..
Meine amerikanische Freundin sagt mir ständig dass ich "homesick" bin  und dass dagegen Kamillentee und ein fetter Hamburger hilft, meine finnische Freundin sagt mir dass ich einen Freund brauche, mein kubanischer Freund sagt dass man in Kuba lacht wenn man glücklich ist aber man lacht auch wenn man traurig ist ,meine deutsche Freundin hat mir zu Schokolade geraten und die Ecuadorianer sagen ich hab' zu viel Sonne abbekommen und soll mir Tomaten ins Gesicht schmieren...

Naja,ich sage mir dass auf Regen Sonne folgt und essen meine Schokoladenvorräte auf (Jaja,ihr hört richtig, endlich ist ein Paket angekommen,mit genug Schokolade für ganz Machala,Danke nochmal).

So sieht's aus hier drüben, hoffe bei euch ist alles gut,ich geselle mich mal wieder zu meiner Schokolade..

Dienstag, 18. Januar 2011

"Ohne Gott,ohne uns" oder auch Glaube und Religion in Ecuador

Religion spielt in Ecuador eine ganz große Rolle. Auch deshalb scheinen viele Ecuadorianer in einer Art "Doppelwelt" zu leben, d.h. sie sehen in allem eine von Gott bestimmte Bedeutung und eine weltliche Bedeutung. Oftmals akzeptieren die Menschen zwar ein modernes gesellschaftliches Leben, praktizieren jedoch auf der anderen Seite sehr Streng ihre Bräuche und Sitten. Es ist nicht unnormal öfter als einmal die Woche in die Kirche zu gehen (wie man es an meinem Bespiel sieht:P). Viele Ecuadorianer hören christliche CD's oder sehen sich religiöse Filme an, machen "oraciones"(Gebete) vor und nach dem Essen und singen gemeinsam. Etwa 92% der ecuadorianischen Bevölkerung sind römisch-katholisch und bekennen sich dazu. Da der Glaube in ecuador eine viel größere Bedeutung zu haben scheint ist auch das Konzept der Jungfräulichkeit und die daraus resultierenden Erwartungen sicherlich weiter verbreitet als in Deutschland. Das kann manchmal ziemlich nervig sein da Eltern sich unnötige Sorgen machen und ihre Kinder in vielerlei Hinsicht einschränken. Ich habe zum Beispiel das Gefühl in Deutschland viel mehr Freiheiten zu haben, und ich meine dabei nicht die Friheit die mir das Gesetz gibt sondern die Freiheit die sich in den gesellschaftlichen Grenzen bewegt. Die meisten der "religiösen" Ecuadorianer leben nämlich wenig regelorientiert; man hält sich nicht wortgetreu an die Gebote die man in der Kirche beschwört. 
was mich zu Anfang verwundert und gestört hat aber mittlerweile ganz normal geworden ist,ist z.B. dass in öffentlichen Gebäuden,sowie in den Bussen große Schilder und Bilder hängen auf denen Botschaften stehen wie "Dieser Bus wird von Gott geleitet,lasst uns für den Allmächtigen beten." oder "Jesus ist dein bester Freund, vertrauen wir ihm in Allem.". Es ist wirklich gewöhnungsbedürftig dass es zwar offiziell Glaubensfreiheit gibt, dies jedoch nur für die Theorie gilt. Wenn ich meinen Schulfreunden erzähle dass ich nicht ganz so gläubig bin, legen sie mir die Hände auf die Schultern und trösten mich mitleidig, sagen mir sowas wie "Jesus und Gott werden auch dich suchen wenn du es selber willst.". Manchmal kann man durch sowas in echt peinliche Situationen geraten und man muss wirklich aufpassen was man sagt da den Leuten ihr Glaube wichtiger ist als alles andere.
Es ist schon komisch, ich durchlaufe immer noch diesen Prozess des Kennenlernens,ich komme in Berührung mit den Lebensweisen einer ganz anderen Kultur in der andere Regeln dein Dasein bestimmen, und genauso ein ganz anderes Wertesystem. Religion. Freunde. Erfolg. Freiheit. Liebe.Geld. Aussehen. Familie. Glück. Spaß. ....und was ist dir wichtig?

Sonntag, 9. Januar 2011

Ferien

So sieht's aus: 3 ganze Monate Ferien! Wenn das nicht geil ist..

Ich liege im Bett,habe den schrecklichen Frottee-Schlafanzug den meine Mutter mir zu Weihnachten geschenkt hat an ( nur ihr zu Liebe),mir ist heiß und ich bin sauer weil meine Musik nicht die Musik übertönen kann die von Draußen hereindringt: Weihnachtsmusik die glaube ich seit dem 20.November jeden Tag  läuft,Tag und Nacht. Yuhuuu. Der Eismann darf natürlich auch nicht fehlen und schreit selbst um 12 Uhr Nachts noch durch sein Megafon: "Helados! Todos colores,todos favores. Setenta centavos! Solo setenta centavitos!!". Ich werde hier verrückt,also sozusagen höchste Zeit zu verreisen,was meint ihr?

Nur wohin? Ambato/Banos zum bunjee-jumpen, Machu-Piccu(Peru),Galápagos, ruta del sol,...?
Mal sehen..

Gestern wollten wir alle irgendwie raus,raus aus Machala,einfach irgendwas machen,in die Natur, nach dem Motto "sea lo que sea". also habe wir uns ins auto gesetzt und sind losgefahren.
Der Plan: Wir fahren zu den "Cascadas de Manuel"(Cascada=Wasserfall).
Das Problem: Meine Mutter wusste den Weg nicht mehr.
Na gut,das hört sich ja nicht wirklich nach einem schwerwiegenden Problem an,dachte ich mir. Fragen wir also jemanden nach dem Weg. "Mmmmmmh...."kommt es. Nochmal: "Mmmmmh..."der Mann guckt etwas ratlos,deutet dann mit einem Finger Richtung Berge "muss wohl da sein." murmelt er,dreht sich um und geht. Also fahren wir "Richtung Berge". Man muss dazu eine Sache wissen: Ecuadorianer sagen dir eigentlich IMMER den Weg aber nicht weil sie immer den Weg wissen,nein, nur weil sie nicht nichts sagen wollen!:D
"Naja",sage ich nach einer Zeit "So wirklich sicher war der sich aber nicht oder? Vielleicht sollten wir nochmla jemand anders fragen.." oder auch nicht,lese ich im Blick meiner Mutter. "Nein Pauli, das ist ein Nativer,ein Indianer, die sind noch etwas zurückgeblieben Pauli -ABER sie haben eine Verbindung zur Natur und deswegen wird er es wissen." Oke,am Besten sage ich ncihts mehr. Für meine Mutter sind alle Leute die sei auf der Straße sieht Indianer und zurückgeblieben und sie spricht immer besonders langsam mit ihnen. Das ist ganz lustig:D In unsere Schule ist vor 2 Monaten ein "indianisches Mädchen" gekommen,da haben die aus meiner Klasse ihr Handy aus der Tasche geholt und gesagt "Das-ist-ein-H-A-N-D-Y."(in extra langsam). Da hat das Mädchen ihr iphone aus der Tasche geholt und nur "Ich weiß." gesagt. Soviel dazu:D...
Naja,..auf jeden Fall sind wir dann irgendwann in den bergen angekommen,wo dann gleichzeitig auch die Natur beginnt,Regenwald-mäßig. Immer weiter und immer weiter,etwa 2 Stunden bis wir auf einmal mitten im Nichts standen. Ein kleiner Trampelpfad der in einer Schlammpfütze endete,Bäume,Bäume,Pflanzen,GRÜN,alles grün, das Surren de rFliegen und Moskitos,wilde Kakaopflanzen,kleine Wasserfälle und Bäche. "Wir sind mitten im Nirgendwo, unser auto steckt in einem Sumpf fest und ich habe kein Netz." stellt Pablo fest. Herrlich. "Hier wurden letztes Jahr 5 Wanderer umgebracht",erzählt Mika ganz ruhig. Ach,das wird ja immer besser,denke ich. Naja,meine Mutter ist schon in völlige Panik ausgebrochen: "Ich stecke fest,ich stecke fest,Muchachos! Hilfe,Hilfe. Sie werden uns umbringen,hier gibt es Kannibalen Freunde,Kannibaaalen!". dei Situation war echt lustig aber ich habe mir das Lachen lieber verkniffen:D
Nach guten 2 Stunden waren wir wieder auf einer etwas normaleren Straße. Obwohl wir nicht bei den Cascaden angekommen sind war es ein wirkliches Abenteuer;)







...HEUTE:










Heuute habe ich schon mal den Anfang gemacht was reisen angeht und bin zum Strand gefahren, nach Jambelí, etwa eine halbe Stunde mit dem Boot von Machalas Hafen entfernt. Wirklich begeistert hat es mich nicht, muss ich zugeben: zu viel Müll,fast schwarzer Sand, grünes Wasser und kaum Wellen, Sonnencreme mit Sand auf der Haut -aber irgendwie war es trotzdem ein wunderschöner Tag und es war ein herrliches Gefühl das Meer vor sich zu haben,den Strand,gute Musik, Sonne, Muscheln und zu fühlen dass das Leben sich, egal wo, sehr gut leben lässt;)
Wir haben Fisch gegessen, ICH habe Fisch gegessen:D ..und Krebs &fast hätt ich mir meine Haare zu Trensen machen lassen,also so wie viele afrikanische Frauen es haben, aber dann hat irgendwie die Zeit gefehlt...

hier ein paar Fotos von heute und Gestern:

Sonntag, 2. Januar 2011

2011

Gestern sind wir dann nach zaruma gefahren,ein kleines aber wunderschönes Dorf in der Sierra...




In Zaruma.

Meine Familie mit mir.
Meine Geschwister: Mika und Pablo

Puerto Bolivar, Machalas Hafen.


Mein erstes Mal Fisch essen,es war wirklich lecker:)

Ich,tanzend:D

Ja,das war heute. wir sind zum Fluss gefahren um uns "alles Schlechte des jahres 2010 abzuwaschen"..jaja,das ist hier so eine Art Tradition. Von links nach rechts: Xiomara, (meine Sobrina),Ich,meine Mama,meine Tante.

...wie man sieht ist es auch ganz nett dort:)